Overthinking stoppen – warum deine Gedanken nicht immer die Wahrheit sagen
- Jannik Bärmann
- 13. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Kennst du das, wenn du so tief in Gedanken versunken bist, dass du von der Außenwelt gar nichts mehr mitbekommst? Wenn deine innere Stimme so laut ist, dass du außer ihr nichts anderes mehr hören kannst? In den meisten Fällen bemerken wir es gar nicht, wenn wir so abdriften. Erst, wenn wir durch einen äußeren Impuls wieder zu uns kommen und unsere Gedanken an Lautstärke verlieren, erkennen wir, wie tief wir in ihnen versunken waren.
Nachdenken ist menschlich – und wichtig, wenn es um bestimmte Entscheidungen geht. Unsere Gedanken sind aber nicht immer hilfreich, sondern können uns in manchen Fällen mehr behindern als dass sie uns weiterbringen.
In diesem Artikel möchte ich darüber schreiben, warum unsere Gedanken nicht immer die Wahrheit widerspiegeln und wie du lernen kannst, dich von ihnen zu distanzieren und auszusteigen, wenn du merkst, dass du wieder in ein Gedankenkarussell geraten bist.
Vor allem in stressigen Situationen, wenn wir an uns selbst zweifeln oder uns unsicher fühlen, kommen wir schnell ins Grübeln (auch „Overthinking“ genannt). In unserem Kopf entstehen Geschichten, und wir durchlaufen unzählige Szenarien – jedes davon schlimmer als das vorherige. Genau hier zeigt sich ein klarer Unterschied zum Nachdenken: Wenn wir grübeln verlieren wir die Kontrolle über unsere Gedanken. Unser Gehirn versucht den Ausgang einer bestimmten Situation zu prophezeien, basierend auf früheren Erfahrungen und inneren Glaubenssätze und Überzeugungen. Dabei konzentrieren wir uns meistens auf die negativen Möglichkeiten. Die Frage „Was wäre, wenn…?“ steht hier im Vordergrund.
Wenn wir hingegen einfach „nur“ nachdenken, behalten wir die Kontrolle. Wir sind lösungsorientiert, klarer und präsenter. Das Finden einer Antwort oder einer Richtung steht im Mittelpunkt – nicht das Worst-Case-Szenario.
Die Filme, die beim Grübeln in unserem Kopf entstehen, entsprechen so gut wie nie der Wahrheit – denn in die Zukunft schauen kann niemand von uns. Sie sind lediglich Fiktion. Außerdem zeigen sie nur eine kleine Auswahl an Szenarien, meistens mit unseren Ängsten und Sorgen als Regisseur.
Der erste Schritt, um die Kontrolle über unsere Gedanken wiederzuerlangen, ist also, sich bewusst zu machen, dass das, was wir auf unserer inneren Leinwand sehen, nicht der Wahrheit entspricht. Mach dir bewusst, dass du nur der Zuschauer bist, und nicht einer der Darsteller. Und genau an diesem Punkt beginnt der Ausstieg aus dem Gedankenkarussell.
Stell dir vor du liegst auf einer Wiese und beobachtest den Himmel. Lass deine Gedanken wie die Wolken sein, die du über dir siehst: beobachte sie eine Weile und lass sie dann einfach weiterziehen. Aber halte nicht an ihnen fest.
An dieser Stelle möchte ich dir zwei praktische Methoden für deinen Alltag vorstellen, die dir dabei helfen können, die Kontrolle über deine Gedanken zurückzuerlangen.
Bevor wir überhaupt aussteigen können, müssen wir zuerst bemerken, dass wir in einem Gedankenkarussell sind. Der schnellste Weg dafür ist das bewusste Wahrnehmen deines Körpers: Wenn du dich beispielsweise angespannt fühlst, ständig mit dem Fuß auf den Boden tappst oder eine flachere Atmung hast, sind das Anzeichen dafür, dass du gerade grübelst. Versuche dich regelmäßig am Tag daran zu erinnern, wie sich dein Körper gerade anfühlt. Post-Its mit dem Satz „Wie fühlt sich mein Körper gerade an?“, die du an Plätze klebst, auf die du ständig schaust, können dir dabei helfen.
Wenn du erkannt hast, dass du gerade grübelst, gibt es eine ganz einfache Methode die Kontrolle wiederzuerlangen: versuche innerlich das zu benennen, was du gerade wahrnimmst. Wenn du dir zum Beispiel gerade Sorgen machst, benenne den Gedanken mit dem Wort „Sorgen“. Oder, wenn du merkst, dass sich deine Gedanken um die anstehenden Aufgaben der nächsten Tage und Wochen drehen, benenne ihn mit „Planen“. Das hilft dir dabei dich nicht mehr mit den Gedanken zu identifizieren, sondern sie aus einer beobachtenden Perspektive wahrzunehmen.
Wenn du lernst, deine Gedanken nicht mehr automatisch für wahr zu halten, entsteht ein Raum – ein Moment der Klarheit zwischen dir und dem, was in deinem Kopf passiert. Genau in diesem Raum liegt deine Freiheit. Du musst deine Gedanken nicht bekämpfen und du musst ihnen auch nicht blind folgen. Du darfst sie wahrnehmen, einordnen und dann weiterziehen lassen.
Mit der Zeit wirst du merken, dass du immer seltener in die alten Muster aus Grübeln und inneren Dramen hineinrutschst. Stattdessen wirst du bewusster, ruhiger und klarer. Du entscheidest, welchen Gedanken du Bedeutung gibst – und welchen nicht.
Frag dich doch heute Abend: Welcher Gedanke hat mich heute festgehalten – und welchen möchte ich jetzt weiterziehen lassen? Die Antwort darauf könnte dein erster Schritt sein, wieder mehr Leichtigkeit in deinen Alltag zu bringen.


