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Du kaufst nicht die Dinge – du kaufst ein Gefühl

  • Autorenbild: Jannik Bärmann
    Jannik Bärmann
  • 22. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Wann war das letzte Mal, dass du impulsiv etwas gekauft hast, das am Ende ungenutzt irgendwo in deinem Zuhause herumlag? Erinnerst du dich noch daran, wie du dich kurz vor der Entscheidung gefühlt hast – und welches Gefühl der Kauf selbst in dir ausgelöst hat?


Vor allem dann, wenn uns etwas beschäftigt oder belastet, wenn wir einen schlechten Tag hatten oder innerlich unzufrieden sind, neigen wir dazu, Geld für Dinge auszugeben, von denen wir glauben, dass sie uns glücklich machen. Und vielleicht tun sie das auch – aber meistens hält dieses Gefühl nur kurz an.


Woran liegt es also, dass wir versuchen, unsere Laune durch Konsum anzuheben? Warum haben wir manchmal den Drang, Geld für Dinge auszugeben, die wir eigentlich gar nicht brauchen? Und welche Folgen bringt dieses Verhalten mit sich? Genau das möchte ich im folgenden Text mit dir anschauen.


Wie bereits beschrieben, kommt der Drang, Geld auszugeben, häufig dann, wenn es uns emotional nicht gut geht. Wenn unser Leben stabil läuft und wir zufrieden sind, haben wir diesen Impuls viel seltener. Fühlen wir uns jedoch schlecht, greifen wir schnell zum einfachsten „Lösungsmittel“: Konsum. Also gehen wir in die Stadt, stöbern online oder öffnen eine Shopping-App auf dem Smartphone.


In dem Moment, in dem du an der Kasse stehst oder die Bestellung abschickst, bist du gedanklich oft schon bei der Vorstellung, wie du das neue Teil nutzen wirst: Das Outfit, das du beim nächsten Abend mit Freunden tragen wirst, oder die Kamera, die du im Urlaub ausprobieren möchtest. Für einen Moment bist du abgelenkt. Deine Laune hebt sich – aber nur kurz. Denn das eigentliche Problem hat sich durch den Kauf nicht gelöst.


Problematisch wird es vor allem dann, wenn diese innere Unzufriedenheit aus deiner aktuellen Lebenssituation stammt. Vielleicht hast du einen Job, der dir ein gutes Gehalt bietet, dich aber nicht erfüllt. Dann wird Konsum zu einer Art Ersatzbefriedigung. Du strebst nicht nach dem Produkt selbst, das du kaufen möchtest, sondern nach dem Gefühl, dass du dir durch diesen Kauf versprichst. Du verdienst mehr Geld, um dir mehr Dinge leisten zu können, in der Hoffnung, dass etwas davon dich dauerhaft glücklicher macht. Doch genau dadurch entsteht ein Teufelskreis. Anstatt den Weg zu wählen, der dich längerfristig aus diesem Problem herausführt – nämlich darüber nachzudenken, was du an deinem Leben ändern musst um Erfüllung zu finden – wählst du den, der dich in wenigen Schritten zu kurzfristigem Glück bringt. Gleichzeitig führt dich dieser Weg jedoch immer weiter weg von der eigentlichen Lösung und dir selbst. Man kann sich leicht im Konsum verlieren, ohne es zu merken. Während dein Besitz immer weiter wächst, wächst manchmal auch die innere Leere in dir.


Nicht nur für deinen Kontostand hat dieses Verhalten negative Folgen, sondern auch für dein Wohlbefinden. Das kurzfristige Glücksgefühl, das du beim Kauf von neuen Dingen empfindest, verfliegt immer schneller, dein Zuhause wird unübersichtlich und unordentlich und du verlierst immer mehr den Überblick. Und nicht nur wir selbst zahlen dafür manchmal einen Preis. Auch unsere Umwelt und die Menschen, die am Anfang dieser Lieferketten stehen, tragen oft die Kosten. Die Freude, die wir für einen kurzen Moment beim Kauf empfinden, hat leider oft einen Preis, den nicht wir selbst zahlen – sondern andere Menschen oder unsere Umwelt.


Das krasse Gegenteil einer solchen Lebensweise wäre eine, die sich auf das Nötigste beschränkt. Wenn wir mal ehrlich zu uns sind benötigen wir deutlich weniger, als wir denken und uns die Werbung glauben lässt. Ich persönlich bevorzuge ein minimalistisches Leben, denn je weniger ich besitze desto übersichtlicher empfinde ich mein Leben und desto weniger Sorgen muss ich mir über eben diesen Besitz machen. Es bietet mir die Chance, mich ohne Ablenkung auf mich und mein Leben zu konzentrieren. Wenn ich mir vor einer Kaufentscheidung die Fragen stelle, „Brauche ich das wirklich? Was erhoffe ich mir durch diesen Kauf?“, kann ich nicht nur sehr viel Geld sparen, sondern ich behalte auch den Überblick über meine eigentlichen Ziele, Wünsche und Strebungen.


In der heutigen Zeit ist es einfacher denn je kurzfristiges Glück durch Konsum zu finden. Wir werden ständig mit Werbungen bombardiert, die uns glauben lassen, dass unser Leben ohne ein bestimmtes Produkt nicht vollständig sein kann. Wenn unser Geld für einen Kauf nicht ausreicht ist ein Ratenkauf in sekundenschnelle abgeschlossen. Und durch das Internet muss ich mich für das Geldausgeben nicht mal mehr auf bestimmte Öffnungszeiten beschränken oder das Haus verlassen – ich habe alles 24/7 zur Verfügung.


Umso wichtiger ist es, dass du dich ab und zu hinterfragst, was der eigentliche Hintergrund des Wunschs, etwas bestimmtes zu kaufen, ist. Es ist völlig in Ordnung sich ab und zu mal etwas zu gönnen – solange du die Kontrolle darüber behältst und es bewusst machst.


Vielleicht habe ich es geschafft, dich mit diesem Text dazu zu ermutigen, anstelle des einfachen Wegs, der über Konsum zu kurzfristigen Glück führt, den anderen Weg zu wählen. Den, der dich zwar auf unangenehme Weise mit deinen Problemen konfrontiert, dich aber auf lange Sicht zu wahrem Glück führt. Und manchmal beginnt dieser Weg einfach damit, sich selbst ein wenig ehrlicher zuzuhören.


 
 
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