Glaubenssätze erkennen: Der erste Schritt zu mehr innerer Freiheit
- Jannik Bärmann
- 17. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
In meinem letzten Artikel habe ich darüber geschrieben, wie Glaubenssätze entstehen und welche Auswirkungen sie auf unser Leben haben. Sie bestimmen, wie wir denken, handeln und unsere Zukunft planen. Sie können uns antreiben – und sie können uns unbemerkt klein halten.
In diesem Artikel möchte ich den nächsten Schritt gehen: Wie lassen sich Glaubenssätze überhaupt erkennen? Und was können wir tun, wenn wir merken, dass sie uns eher einschränken als unterstützen?
Vorweg möchte ich ehrlich sein: Die Arbeit mit Glaubenssätzen ist ein zentraler Bestandteil meiner Tätigkeit als Coach. Tiefliegende innere Überzeugungen lassen sich nicht durch einen einzelnen Blogartikel „auflösen“. Dieser Text soll vielmehr ein Impuls sein – eine Einladung, die eigenen Überzeugungen bewusst wahrzunehmen und zu hinterfragen.
Wenn du spürst, dass dieses Thema dich tiefer berührt oder du dir Begleitung dabei wünschst, kannst du dich jederzeit gerne bei mir melden.
Lass uns nun gemeinsam anschauen, wie du deinen Glaubenssätzen Schritt für Schritt auf die Spur kommen kannst. Denn genau hier wird es spannend.
Während meiner Schulung zum Personal Coach bin ich auf das sogenannte ABC-Modell von Albert Ellis gestoßen. Es ist eine Methode, die dabei hilft, unbewusste Glaubenssätze sichtbar zu machen. Hierbei steht das „A“ für „Action“ (ein auslösendes Ereignis), das „B“ für „Belief“ (unsere inneren Überzeugungen und Glaubenssätze) und das „C“ für „Consequences“ (die Gefühle und Gedanken, die ausgelöst werden).
Die zentrale Idee dahinter ist einfach – und gleichzeitig sehr kraftvoll: Nicht das Ereignis selbst bestimmt, wie wir uns fühlen oder handeln, sondern die Bedeutung, die wir ihm geben.
Ein kleines Beispiel: Stell dir vor, du schreibst eine schlechte Note in einer Prüfung. Dieses Ereignis kann unterschiedliche Reaktionen auslösen – vielleicht Selbstzweifel, Frust oder den Gedanken, „nicht gut genug“ zu sein.
Genau hier lohnt es sich, innezuhalten und zu fragen:
Warum reagiere ich gerade so?
Zwischen dem Ereignis (der schlechten Note) und deiner Reaktion liegt nämlich ein entscheidendes Bindeglied: deine inneren Überzeugungen und Glaubenssätze. Sie sind der eigentliche Auslöser deiner Gefühle.
Denn objektiv betrachtet ist eine schlechte Note zunächst nur eines – die Bewertung einer einzelnen Leistung.
Wenn du aber beispielsweise daran glaubst, dass deine Prüfungsleistung in direktem Zusammenhang damit steht, wie sehr du von den Menschen, die dir am nächsten stehen, geliebt wirst, dann ist diese Überzeugung ausschlaggebend dafür, wie du auf die Note reagierst.
In einer typischen Coaching Sitzung sprechen wir über genau solche Situationen, die etwas Negatives in dir auslösen, und erkunden in einem Dialog welche Überzeugungen dahinter stehen. Das Erkennen dieser Glaubenssätze ist der erste Schritt, um sie abzulegen – damit ähnliche Situationen in Zukunft kein Leiden mehr auslösen.
In deinem Alltag kannst du folgende Übung ausprobieren: wenn du das nächste Mal eine negative Emotion oder Gedanken empfindest, der scheinbar durch eine bestimmte Situation ausgelöst wurde, kannst du dir dieses Ereignis und deine Reaktion notieren. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Reaktion abgeklungen ist, schaust du dir deine Notizen nochmal an und fragst dich: „Warum habe ich so reagiert? Was hat diese Situation so schlimm für mich gemacht?“.
Der versetzte Zeitpunkt ist hierbei wichtig, da wir während des Ereignisses meist von unseren Gefühlen überwältigt sind. Ebenfalls wichtig ist, dass du nicht hart zu dir bist oder dich für deine Reaktion verurteilst. Denn wahrscheinlich kannst du gar nichts dafür – du hast es einfach so gelernt. Versuche stattdessen, mit Neugier und Offenheit auf dich zu schauen. Allein dieses bewusste Wahrnehmen ist oft schon der erste Schritt in Richtung Veränderung.
Der nächste Schritt beginnt dann mit der Frage ob diese innere Überzeugung zielführend und hilfreich ist oder ob sie dich eher einschränkt. Im letzteren Fall kannst du dir anschließend überlegen, wie du in einer ähnlichen Situation stattdessen reagieren wollen würdest.
Glaubenssätze verlieren ihre Macht nicht dadurch, dass wir sie bekämpfen – sondern dadurch, dass wir sie bewusst wahrnehmen. In dem Moment, in dem du erkennst, warum du auf eine bestimmte Situation reagierst, entsteht ein Abstand zwischen dir und deiner Reaktion. Und genau dieser Abstand ist der Beginn von Freiheit.
Vielleicht hast du beim Lesen bereits den einen oder anderen Gedanken entdeckt, der dich schon lange begleitet. Dann nimm ihn nicht als Problem wahr, sondern als Einladung: genauer hinzuschauen, zu verstehen – und neue Wege zu ermöglichen.
Und vielleicht liegt echte Freiheit genau darin: nicht alles über dich zu glauben, was du einmal gelernt hast.


