Wann hast du aufgehört, neugierig zu sein?
- Jannik Bärmann
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Wie fühlst du dich, wenn dich jemand etwas fragt und du die Antwort nicht weißt? Oder wenn dir ein Fehler passiert?
Wahrscheinlich nicht besonders gut. Viele von uns verbinden Unwissenheit automatisch mit unangenehmen Gefühlen. Und wenn wir einen Fehler machen, fühlt es sich oft so an, als hätten wir versagt.
Aber warum eigentlich? Warum führen Dinge, die völlig normal und menschlich sind, dazu, dass wir uns schlecht fühlen? Und wie können wir lernen, mit Unwissenheit und Fehlern besser umzugehen?
Die Wahrheit ist: Wir können gar nicht alles wissen. Es ist schlichtweg unmöglich. Und genauso unrealistisch ist es, ein Leben ohne Fehler zu führen. Beides hängt sogar eng miteinander zusammen. Wenn wir etwas noch nicht wissen und anfangen, es auszuprobieren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dabei auch Fehler passieren.
Versuche dich einmal an deine Kindheit zu erinnern. Als Kinder war fast alles neu und spannend. Unwissenheit hat damals meist Neugier ausgelöst – keine Angst davor, etwas falsch zu machen. Wir haben ausprobiert, experimentiert und Dinge einfach getan, ohne lange darüber nachzudenken.
Heute, im Erwachsenenalter, sieht das oft anders aus. Viele von uns bewegen sich lieber innerhalb ihrer Komfortzone. Die kindliche Neugier ist teilweise verloren gegangen und unser Denken ist stärker von Vorsicht und Bewertung geprägt. Wir überlegen mehr, zweifeln mehr – und trauen uns oft weniger, weil wir Angst haben, uns zu blamieren oder Fehler zu machen.
Diese Gedanken hatten wir als Kinder kaum.
Was hat sich also verändert? Und noch wichtiger: Können wir etwas von unserer ursprünglichen Neugier zurückgewinnen?
Je älter wir wurden, desto klarer wurde unsere Vorstellung von „richtig“ und „falsch“. Diese Vorstellungen entstehen teilweise durch unsere eigenen Erfahrungen, aber auch durch unsere Erziehung und die Gesellschaft, in der wir leben.
Mit der Zeit entwickelt sich dadurch eine Art Schubladendenken: Wenn wir vor einer Entscheidung stehen, wägen wir ab, welche Option am ehesten in die Kategorie „richtig“ passt oder welche die geringste Chance hat, „falsch“ zu sein.
Wir beginnen, stärker rational zu denken.
Als Kinder haben wir uns solche Gedanken kaum gemacht. Obwohl unsere Fantasie damals deutlich größer war, neigen wir im Erwachsenenalter eher dazu, jede Entscheidung zu analysieren und darüber nachzudenken, welche Auswirkungen sie auf unsere Zukunft haben könnte.
In vielen Fällen sind die möglichen Konsequenzen in unserem Kopf jedoch um ein Vielfaches schlimmer als in der Realität.
Zwar schützt uns diese „Schonhaltung“ davor, Fehler zu machen oder uns zu blamieren, wenn wir etwas nicht wissen. Gleichzeitig hält sie uns aber auch davon ab, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen.
Gerade unsere kindliche Neugier und Offenheit haben dafür gesorgt, dass wir uns zu der Person entwickeln konnten, die wir heute sind. Unwissenheit hat uns motiviert zu lernen. Wir haben ein Thema entdeckt, das uns interessiert, und wollten plötzlich alles darüber wissen. Wir hatten eine Vorstellung von etwas und haben es einfach ausprobiert.
Oft kamen dabei nicht die Ergebnisse heraus, die wir uns erhofft hatten. Stattdessen haben wir jedoch andere, oft viel wichtigere Lektionen für unser Leben gelernt.
Als Erwachsene stehen wir dagegen manchmal an Punkten im Leben, die sich wie eine Sackgasse anfühlen. Wir sind nicht zu hundert Prozent zufrieden, wissen aber gleichzeitig nicht, was wir ändern sollen.
Gerade in solchen Situationen wäre es hilfreich, wieder ein wenig mit der Offenheit und Neugier eines Kindes zu denken.
Denn meistens stehen uns unzählige Wege und Möglichkeiten zur Verfügung. Unsere Angst, uns zu blamieren oder zu versagen, lässt uns diese Möglichkeiten nur oft nicht erkennen.
In solchen Momenten kann es hilfreich sein, ganz bewusst die kritische Sichtweise auf das Problem auszublenden. Erlaube dir, einfach wieder einmal zu träumen und deinen Gedanken freien Lauf zu lassen.
Stell dir vor, alles wäre möglich – ganz ohne Einschränkungen. Welche Wege würdest du einschlagen? Welche Dinge würdest du ausprobieren? Welche Entscheidungen würdest du treffen?
Schreibe dir am besten die Ideen auf, die dir besonders gefallen oder dich neugierig machen – völlig unabhängig davon, wie realistisch sie zunächst erscheinen.
Wenn du anschließend einige Gedanken gesammelt hast, kannst du dein kritisches Denken wieder dazunehmen. Nun kannst du überprüfen, welche dieser Ideen tatsächlich umsetzbar sein könnten und welche vielleicht eher schöne Wünsche bleiben.
Diese bewusste Trennung zwischen freiem Denken und kritischer Bewertung kann dabei helfen, neue Perspektiven zu entdecken und Wege zu erkennen, die zuvor vielleicht verborgen geblieben wären.
Wenn du selbst derzeit an einem solchen Punkt stehst, an dem du nicht weißt, wie du weitermachen sollst oder in welche Richtung du gehen sollst, kannst du dich auch gerne bei mir melden – als Coach unterstütze ich dich gerne dabei neue Wege und Möglichkeiten zu erkunden.
Vielleicht geht es also gar nicht darum, immer alles zu wissen oder keine Fehler mehr zu machen. Vielleicht geht es vielmehr darum, wieder neugieriger zu werden und sich selbst zu erlauben, Dinge auszuprobieren – auch wenn der Ausgang noch ungewiss ist.
Denn jedes Mal, wenn wir den Mut haben, etwas Neues zu versuchen, geben wir uns selbst die Chance zu lernen, zu wachsen und neue Möglichkeiten zu entdecken.
Und vielleicht ist genau diese Mischung aus Neugier, Offenheit und der Bereitschaft, auch einmal falsch zu liegen, der Schlüssel zu einem Leben, das sich nicht wie eine Sackgasse anfühlt – sondern wie ein Weg voller neuer Chancen.


