Eines Tages wirst du dich fragen, wo die Zeit geblieben ist
- Jannik Bärmann
- 11. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Eine Minute besteht aus 60 Sekunden, eine Stunde aus 60 Minuten und ein Tag aus 24 Stunden. Eine Woche besteht aus sieben Tagen, ein Monat aus ungefähr vier Wochen und ein Jahr aus zwölf Monaten.
Unser Leben besteht aus vielen Jahren – oder anders gesagt: aus unzähligen Sekunden. Es ist die Summe all der Momente, die wir im Laufe unseres Lebens Tag für Tag erleben.
Ich glaube, wir denken viel zu selten darüber nach, wie kostbar diese Zeit eigentlich ist. Dabei ist die Art und Weise, wie wir unsere Zeit verbringen, vielleicht die wertvollste Investition unseres Lebens. Denn wir wissen nie, wie viel Zeit uns noch bleibt – und wir bekommen keine einzige Sekunde zurück.
Umso wichtiger ist es, achtsam mit der Zeit umzugehen, die wir zur Verfügung haben. Ansonsten kann es schnell passieren, dass wir eines Tages aufwachen und uns fragen, wo die ganze Zeit geblieben ist.
Oder, wie Pink Floyd es in ihrem Lied „Time“ auf den Punkt gebracht haben:
“You are young and life is long
and there is time to kill today
and then one day you find
ten years have got behind you
no one told you when to run
so you missed the starting gun.”
Diese Erkenntnis – dass das Leben scheinbar an einem vorbeigezogen ist – kann sich wie ein Schlag anfühlen. Vor allem dann, wenn uns bewusst wird, dass wir die Zeit, die wir „verschwendet“ haben, nie wieder zurückbekommen.
An dieser Stelle möchte ich etwas betonen: Wenn ich davon spreche, Zeit sinnvoll zu nutzen, meine ich damit nicht, ständig produktiv zu sein oder jeden Tag so effizient und strukturiert wie möglich zu leben.
Im Gegenteil: Struktur kann zwar hilfreich sein, aber sie kann auch dazu führen, dass sich unsere Tage irgendwann nur noch wie eine endlose To-Do-Liste anfühlen.
Viel wichtiger ist etwas anderes:
Dass wir unsere Zeit so verbringen, dass wir am Abend mit einem Gefühl der Zufriedenheit einschlafen.
Woher dieses Gefühl kommt, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Vielleicht hast du etwas umgesetzt, das du schon lange vor dir hergeschoben hast. Vielleicht hast du spontan etwas unternommen, das dir viel mehr Freude bereitet hat, als du erwartet hattest. Oder du hast den Tag einfach mit einem Buch oder einer Serie im Bett verbracht und dir die Ruhe gegönnt, die du gebraucht hast.
Wie wir unsere Zeit verbringen, ist letztlich zweitrangig. Entscheidend ist, dass wir sie bewusst und selbstbestimmt gestalten.
Dazu gehört auch etwas, das vielen von uns schwerfällt: die Fähigkeit, auch einmal „Nein“ zu sagen, wenn wir von anderen um etwas gebeten oder zu etwas eingeladen werden.
Wie bereits am Anfang beschrieben, ist ein Tag die Summe aus vielen Sekunden. Und in jeder dieser Sekunden können wir entscheiden, wie wir sie verbringen möchten. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen: Diese Entscheidungen lassen sich nicht rückgängig machen.
Stell dir folgende Situation vor:
Es ist Samstag und du hattest eine anstrengende Arbeitswoche. Du bist erschöpft und freust dich darauf, den Tag zu Hause zu verbringen und dich zu erholen.
Dann schreibt dir ein Freund oder eine Freundin und fragt, ob du Lust hast, in die Stadt zu gehen und ein wenig zu bummeln.
Dein erster Gedanke ist, dass du eigentlich viel lieber zu Hause bleiben möchtest. Gleichzeitig fragst du dich aber auch, wie diese Person reagieren wird, wenn du ablehnst.
Schreibst du ihr ehrlich, dass du den Tag lieber anders verbringen möchtest und ihr euch an einem anderen Tag treffen könnt? Oder gibst du den Gewissensbissen nach und änderst deine Pläne?
Welche Entscheidung die richtige ist, wirst du wahrscheinlich erst am Abend wissen. Vielleicht war der Tag in der Stadt viel schöner, als du ursprünglich gedacht hast. Es kann aber auch sein, dass du währenddessen merkst, dass du deine Entscheidung bereust.
Versetze dich nun einmal in die Lage der anderen Person. Du weißt, dass sie eine anstrengende Woche hatte und deshalb deinen Vorschlag ablehnt.
Wärst du böse?
Wahrscheinlich nicht.
Es ist vollkommen in Ordnung – und sogar wichtig – wenn wir hin und wieder unsere eigenen Bedürfnisse priorisieren. Unsere Zeit ist das wertvollste Gut, das wir im Leben besitzen. Deshalb sollte auch niemand anderes darüber entscheiden, wie wir unsere Zeit verbringen.
Ab und zu auch mal „Nein“ zu sagen gibt uns die Freiheit unsere Zeit so zu gestalten, wie wir es für richtig halten.
Denn am Ende unseres Lebens werden wir uns wahrscheinlich nicht daran erinnern, wie viele E-Mails wir beantwortet, wie viele Termine wir wahrgenommen oder wie viele To-Do-Listen wir abgearbeitet haben.
Wir werden uns an Momente erinnern.
An Gespräche.
An Entscheidungen, die wir bewusst getroffen haben.
An Tage, an denen wir gespürt haben, dass wir genau dort sind, wo wir gerade sein möchten.
Unsere Zeit besteht aus unzähligen Sekunden.
Und jede einzelne davon ist eine Gelegenheit, unser Leben ein kleines Stück so zu gestalten, wie wir es wirklich leben möchten.
Wie hast du deine Zeit heute verbracht – und würdest du dich heute Abend damit zufrieden fühlen?


